Fun Stuff: Alle Jahre früher oder die Eskalation der Besinnlichkeit
Veröffentlicht am 27 Okt 2001 von madrebel
The Holy War of Christmas !!!
Schönster Altweibersommer - Noch einmal Menschen in T-Shirts und
Sandalen in den Straßencafes und Biergärten. Bisher keine
besonderen Vorkommnisse in der Hauptstraße.
Dann plötzlich um 10:47 Uhr kommt der Befehl von Aldi-
Geschäftsführer Erich B..: "Fünf Paletten Lebkuchen und
Spekulatius in den Eingangsbereich!"
Von nun an überschlagen sich die Ereignisse. Zunächst reagiert
Minimal-Geschäftsführer Martin O. eher halbherzig mit einem
erweiterten Kerzensortiment und Marzipankartoffeln an der Kasse.
15:07 Uhr: Edeka-Marktleiter Wilhelm T. hat die Mittagspause
genutzt und operiert mit Lametta und Tannengrün in der
Wurstauslage.
16:02 Uhr: Die Filialen von Penny und Extra bekommen Kenntnis von
der Offensive, können aber aufgrund von Lieferschwierigkeiten
nicht gegenhalten und fordern ein Weihnachtsstillstandsabkommen
bis zum 18.September. Die Gespräche bleiben ohne Ergebnis.
Dienstag; 18.September:
07:30 Uhr: Im Eingangsbereich von Karstadt bezieht überraschend
ein Esel mit Rentierschlitten Stellung, während zwei
Weihnachtsmänner vom studentischen Nikolausdienst vorbeihastende
Schulkinder zu ihren Weihnachtswünschen verhören. Zeitgleich
erstrahlt die Kaufhausfassade im gleißenden Schein von 260.000
Elektrokerzen. Die geschockte Konkurrenz kann zunächst nur
ohnmächtig zuschauen. Immerhin haben jetzt auch Karstadt, C&A und
Real den Ernst der Lage erkannt.
Mittwoch; 19.September:
09:00 Uhr: Edeka setzt Krippenfiguren ins Gemüse.
09:12 Uhr: Minimal kontert mit massivem Einsatz von
Rauschgoldengeln im Tiefkühlregal.
10:05 Uhr: Bei Karstadt verirren sich dutzende Kunden in einem
Wald von Weihnachtsbäumen.
12:00 Uhr: Neue Dienstanweisung bei Extra: An der Käsetheke wird
mit sofortiger Wirkung ein "Frohes Fest" gewünscht. Die
Schlemmerabteilung von Real kündigt für den Nachmittag
Vergeltungsmaßnahmen an.
Donnerstag; 20.September:
07:00 Uhr: Karstadt schaufelt Kunstschnee in die Schaufenster.
08:00 Uhr: In einer eilig einberufenen Krisensitzung fordert der
aufgebrachte Penny- Geschäftsführer Walter T. von seinen
Mitarbeitern lautstark: "Weihnachten bis zum Äußersten" und
verfügt den pausenlosen Einsatz der von der Konkurrenz
gefürchteten CD: "Weihnachten mit Mireille Matthieu" über
Deckenlautsprecher. Der Nachmittag bleibt ansonsten ruhig.
Freitag; 21.September:
08:00 Uhr: Anwohner der Hauptstraße versuchen mit Hilfe einer
einstweiligen Verfügung die nun von Karstadt angedrohte
Musikoffensive "Heiligabend mit den Flippers" zu stoppen.
09:14 Uhr: Ein Aldi-Sattelschlepper mit Pfeffernüssen rammt den
Posaunenchor "Adveniat", der gerade vor Karstadt zum großen
Weihnachtsoratorium ansetzen wollte.
09:30 Uhr: Aldi dementiert. Es habe sich bei der Ladung nicht um
Pfeffernüsse, sondern um Christbaumkugeln gehandelt.
18:00 Uhr: In der Stadt kommt es kurzfristig zu ersten Engpäßen
in der Stromversorgung, als der von Tengelmann beauftragte
Rentner Erwin Z. mit seinem Flak- Scheinwerfer Marke "Varta
Volkssturm" den Stern von Bethlehem an den Himmel zeichnet.
Sonnabend; 22.September:
Die Fronten verhärten sich; die Strategien werden zunehmend
aggressiver.
10:37 Uhr: Auf einem Polizeirevier meldet sich die Diabetikerin
Anna K. und gibt zu Protokoll, sie sei soeben auf dem Minimal-
Parkplatz zum Verzehr von Glühwein und Christstollen gezwungen
worden. Die Beamten sind ratlos.
12:00 Uhr: Seit gut einer halben Stunde beschießen Karstadt,
Edeka und Minimal die Einkaufszone mit Schneekanonen. Das
Ordnungsamt mahnt die Räum- und Streupflicht an. Umsonst!
14:30 Uhr: Teile des Stadtbezirks sind unpassierbar. Eine
Hubschrauberstaffel des Bundesgrenzschutzes beginnt mit der
Bergung von Eingeschlossenen:
Menschen wie Du und ich, die nur mal in der schönen Herbstsonne
bummeln wollten.
In diesem Sinne:
Frohes Fest !!
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