Fun Stuff: Operation Dauerhafter Metal
Veröffentlicht am 21 Okt 2001 von madrebel
In Zeiten wie diesen ist es nicht einfach, den Präsidenten der
Vereinigten Staaten lieb zu haben. Doch wenn es tatsächlich stimmt,
dass George W. Bush ein Heavy-Metal-Freak ist, fällt das gleich viel
leichter................
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Kilians Kolumne: "Operation Dauerhafter Metal"
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In Zeiten wie diesen ist es nicht einfach, den Präsidenten der
Vereinigten Staaten lieb zu haben. Doch wenn es tatsächlich stimmt,
dass George W. Bush ein Heavy-Metal-Freak ist, fällt das gleich viel
leichter.
Von Martin Kilian
Amerika, schrieb der US-Philosoph George Santayana, sei "die größte
aller Gelegenheiten und der schlechteste aller Einflüsse". Nun ja,
der Mann hat leider recht! Das gesamte Wochenende ging wieder für
Shopping drauf, um die abgefuckte Konjunktur zu stützen.
Meine
Kreditkarten gehen überhaupt nicht mehr schlafen. Auch sind meine wie
die Schulden meiner amerikanischen Freunde total astronomisch.
George W. Bush hätte uns schon längst den Orden "Helden des Konsums"
anheften sollen ("für Extrem-Shopping zum Wohle Amerikas").
Wahrscheinlich ist mein entsprechendes Gesuch ("...2800 Dollar allein
für dekorative rotweißblaue Glasperlen...") im ovalen Büro
versickert. Zumal W. im Eiltempo zum Olympier mutiert. Er wird stetig
größer. Historisch, meine ich. Und seine Wesire mitsamt den Groupies
in den Medien schnappen langsam über.
Neulich leckte aus dem Weißen
Haus, Bush persönlich kommandiere den Einsatz der Special Forces in
Afghanistan.
Wirklich? Entwirft er außerdem ästhetisch ansprechendere Kuppeln als
der italienische Baumeister Palladio? Bläst das Saxofon besser als
der Jazzmusiker Ornette Coleman? Konstruiert eigenhändig den
Raketenschutzschirm? Gimme a break! W. als General Patton? Der Mann
drückte sich ja schon vor Vietnam, indem er in die texanische
Nationalgarde eintrat.
Und weil wir gleich dabei sind: Bushs abendliche Pressekonferenz
führte bei meinem Freund Bob zu schweren Schlafstörungen. Ich musste
ihn beruhigen. Ein, zwei Jahre werde der Feldzug in Afghanistan
vielleicht dauern, hatte W. gesagt.
Verdammt lange, wenn Sie
bedenken, dass dort nach zwei Jahrzehnten Krieg nur noch 18 Gebäude
stehen sowie zwei Brücken und eine Tankstelle. Zwei Jahre! Musharraf
fiel sicherlich in Ohnmacht, als er das hörte.
In pakistanischen
Straßen ist die Hölle los, derweil W. nebenan zwei Jahre Krieg führen
will.
Doch meinen Aufkleber mit den Worten "Ich habe W. nicht so arg LIEB"
habe ich gleich wieder von der Stoßstange meines Autos entfernt.
Wegen oben genannter Schulden kann ich mir kein neues Auto leisten.
Mit Henry Wadsworth Longfellow "Sail On, O Union, Strong And Great"
zu singen, ist dieser Tage bekömmlicher. Andernfalls stünde überdies
der Schriftsteller Peter Schneider plötzlich vor meiner Tür.
Auf
seinem Radar erscheinen sämtliche "antiamerikanischen Reflexe". Und
er wäre vielleicht schrecklich böse. Weil ich Amerika zwar ganz, ganz
arg LIEB habe, Bush aber nicht so arg LIEB habe.
Nur LIEB habe ich
Bush. Aber nicht arg.
Ehrlich gestanden: Anthrax ist mir lieber als W. Bevor Sie an die
Decke gehen: Ich meine nicht den Milzbrand, sondern die Rock-Combo.
Heavy Metal, okay?
Die Band mit den kanzleramtsgroßen Verstärkern.
Deren Namen nun völlig diskreditiert ist. Statt Hotelzimmer zu
zertrümmern, gab Anthrax eine Presseerklärung heraus.
Man erwog eine
Namensänderung ("Lactobazillus"). Ließ es dann fallen.
Hofft und
betet, "dass dieses Problem verschwindet und wir alle alt und fett
werden" - was sie bereits sind.
Aber nicht nur der Name ist eine einzige Katastrophe. Denken Sie an
die Anthrax-Hit-LP von 1985: "Die Krankheit Verbreiten" ("Spread The
Disease").
Meine Güte!
Außerdem hatten die Schwermetaller
fürchterliche Frisuren. Dazu präsentierten sie Lärm von der
Pegelstärke einer soeben abhebenden 747.
Jetzt könnten sie in
Pharmazie machen. Bayer (Leverkusen) ließ anfragen, ob man - gegen
Zaster natürlich - auf der Anthrax-Webseite Werbung für das
Anti-Milzbrand-Medikament Ciprobay schalten könne.
"Nach den letzten Ereignissen symbolisiert unser Name Furcht,
Paranoia und Tod", bekennt Anthrax. Aber auf Konzerttournee gehen sie
trotzdem.
"Operation Dauerhafter Metal" wird die Tour heißen.
Moment
mal!? "Operation Dauerhafter Metal"? Klingt fast wie "Operation
Dauerhafte Freiheit".
Gibt es hier etwa eine klandestine Verbindung?
Ist es womöglich kein Zufall, dass das Finale der Anthrax-Tour am 17.
Februar 2002 in Washington stattfinden wird?
Ist W. ein
Heavy-Metal-Freak?
Übernachtete Metallica im Weißen Haus?
Deep
Purple? Mott The Hoople? Hüsker Dü?
Stimmt es, dass zu W.s Amtseinführung - in privatem Kreise
wohlgemerkt! - die Schwermetall-Symphonie für zwei Schweißbrenner und
einen Vorschlaghammer von Led Zeppelin uraufgeführt wurde?
Steckt in
"Stairway To Heaven" eine geheime Botschaft?
Wenn ja, an wen? An
Wladimir? Jesus!!
Und der Briefträger eben sah aus wie Peter
Schneider.
Wie schnell man doch ins Paranoide abgleitet....
Schluss
für heute. Zittrige Zeiten sind das.
(Quelle:Spiegel-online)
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